Der Globalisierungsprozess wird derzeitig von der Verschlimmerung von Armut und Elend für die Hälfte der Menschheit begleitet
“Ein Mikrokredit ermöglicht es Menschen, die in Armut leben, ein eigenes Geschäft aufzubauen und sich ein Einkommen zu sichern: ein Mikrounternehmen entsteht.“
Als Mikrofinanzierung bezeichnet man die Bereitstellung von Finanzdienstleistungen (Kredite, Spareinlagen, Versicherungen, usw.) an jene, die aufgrund von Armut keinen Zugang zum Finanzsystem haben. Da diese Menschen weder über ein Einkommen noch über Besitz verfügen und daher keine Garantien vorweisen können, werden sie von Finanzinstitutionen und Banken einfach „vergessen“.
Der Zugang zu Finanzdienstleistungen und der Aufbau von Kleinunternehmen sind jedoch, ebenso wie Demokratie, Bildung und Infrastruktur, wichtige Pfeiler auf dem Weg zu nachhaltiger Entwicklung.
Mikrokredite erlauben denjenigen, die in Armut leben, ein eigenes Geschäft aufzubauen und sich ein Einkommen zu sichern. Das Darlehen kann dann aus den Einnahmen der Unternehmung zurückgezahlt werden.
Ein solider Sparplan gibt den Ärmsten die Möglichkeit die Zukunft ihrer Familien zu sichern. Durch Mikroversicherungen schützen Ersparnisse diejenigen vor externen Faktoren (Naturkatastrophen, volkswirtschaftliche Krisen), die am meisten davon bedroht sind.
Das Konzept der Mikrofinanzierung behauptet sich nunmehr seit fast 30 Jahren, angetrieben von Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs). Folgende NGOs spielen auf diesem Gebiet eine entscheidende Rolle:
Mikrofinanzierungsinstitutionen (MFIs): Diese werden in den meisten Fällen auf Initiative von lokalen Organisationen oder von internationalen Agenturen für Zusammenarbeit aufgebaut und unterstützt.
Staatliche Banken und nationale Entwicklungsbanken: sie involvieren sich zunehmend in diesem Bereich, wobei sie als „Bankiers“ für MFIs fungieren. In Mali finanziert eine Institution wie die BNDA (Nationale Bank für landwirtschaftliche Entwicklung) fast 80 % der MFIs und in Mexiko sind Einrichtungen wie die FIRA und die Financiera Rural für die Refinanzierung vieler MFIs verantwortlich. Es kommt auch vor, dass staatliche Banken direkt Mikrofinanzierung betreiben, so z.B. die chilenische Banco Estado (2005 war dies eins der ersten Mikrofinanzierungsprogramme Lateinamerikas mit über 150.000 Kunden).
Handels- und Geschäftsbanken: diese beteiligen sich zunehmend in diesem Sektor auf vielerlei Weisen. Sie können MFIs assistieren, indem sie deren Aktivitäten refinanzieren oder auch technische Unterstützung geben, so beispielsweise die indische ICICI (die zweitgrößte Handelsbank des Landes). Sie können aber auch direkt eigene Dienstleistungen im Bereich der Mikrofinanzierung anbieten, so wie es die Financial Bank in Benin mit ihrem Zweig FINADEV oder die kolumbianische BanColombia über MicroEmpresarios tun.
Spendengeber – Entwicklungsbanken: bilaterale Kooperation (KFW Entwicklungsbank, USAID, AFD, DFID), multilaterale Kooperation (Europäische Kommission, UNO, Weltbank, regionale Entwicklungsbanken): alle Spendengeber unterstützen aktiv die Entwicklung dieses Bereichs.
PlaNet Finance arbeitet mit allen Parteien, die sich im Bereich der Mikrofinanzierung involvieren, um effektivere Programme zu entwickeln und den Betroffenen den Zugang zu Mikrofinanzierung zu erleichtern.
Entwicklungszusammenarbeit
Die Förderung von Mikrofinanzierung ist fester Bestandteil der deutschen Entwicklungspolitik und in ein Gesamtkonzept zur Finanzsektorförderung eingebunden. Das Bundesministerium für Zusammenarbeit (BMZ) gehört zu den führenden Geberländern in diesem Bereich und unterstützt den Aufbau leistungsfähiger Finanzsektoren in Entwicklungs- und Transformationsländern mit mehr als 100 Millionen Euro jährlich.
Durchführungsorganisationen des BMZ wie die KfW Entwicklungsbank oder die DEG, die sich auf Finanzielle Zusammenarbeit spezialisiert haben, vergeben zum Beispiel Kredite zur Absicherung von Mikrofinanzorganisationen oder übernehmen Beteiligungen.
Die GTZ und der DED unterstützen den Aufbau und die Erweiterung von Mikrofinanzorganisationen und beraten staatliche Stellen, um rechtliche Rahmenbedingungen für Mikrofinanzgeschäfte zu schaffen.
Auch Nichtregierungsorganisationen, gemeinnützige Stiftungen des Bankensektors und Bankenverbände engagieren sich. Sie passen zum Beispiel erfolgreiche Finanzmodelle an die Bedingungen von Entwicklungsländern an und übertragen sie auf die Gegebenheiten vor Ort.
All deutsche Organisationen, die im Bereich Mikrofinanzierung tätig sind, können unten www.microfinancegateway.com/content/directory gefunden werden.
Quellen: www.bmz.de; www.kfw-entwicklungsbank.de; www.gtz.de
Mikrofinanzierung in Deutschland
Auch in Deutschland gewinnt Mikrofinanzierung weiterhin an Bedeutung. So ist nach den aktuellen Untersuchungen der Trend zur kleinteiligen Finanzierung nach wie vor ungebrochen.
Tätige Institutionen und Organisationen sind in diesem Bereich sind u.a :
Das Ziel der UN Millenium Development Goals ist es, bis 2015 die Zahl der Menschen, die unterhalb der Armutsgrenze leben, zu halbieren.
2006 lebten zwei Milliarden Menschen unterhalb der Armutsgrenze von zwei Dollar am Tag.
80 Prozent der Weltbevölkerung haben keinen Zugang zu Krediten. Die Microcredit Summit Campaign von 1997 hatte als Ziel, „bis 2005 den 100 Millionen ärmsten Familien Mikrokredite und andere Finanzdienstleistungen sowie die Unterstützung zum Unternehmensaufbau zugänglich zu machen“.
Gegenwärtig nehmen schätzungsweise 130 Millionen Menschen die Dienste von über 10.000 MFIs in Anspruch, wobei sich die Zahl der potentiellen Nutzer auf ungefähr 500 Millionen beläuft.
Von den 84 Milliarden Euro, die 2005 für internationale öffentliche Entwicklungshilfe zur Verfügung standen, wurden nur eine Milliarde Euro für Mikrofinanzierung verwendet.